Bitte nicht, Brisant

Hotelfernsehen ist der Gipfel der Zwischenfreuden. Ein Interims zwischen Ausflug und Abendessen, das es einem ermöglicht, sich ganz hastig die unterklassigen TV-Produktionen dieser Tage einzuverleiben. Man kann sich mal ganz flugs vergewissern, für was man die öffentlich Rechtlichen denn abseits von Tatort und Tagesschau so bezahlt, und mir nichts dir nichts sieht man sich in der Vorabendhölle gefangen.
Beschämend. Besonders dann, wenn eine Berichterstattung über Badesalze folgt. Von BRISANT.

Wenn man ein Thema aufgreift, was seinen medialen Zenit vor etwa zwei Jahren genoss, als ein mutmaßlicher Zombie auf Badesalzen einem Mann das Gesicht wegfraß (wir erinnern uns), und welches danach stückweise in die belanglose Welt der Nebensächlichkeiten abdriftete, sollte man mit einem gewissen Abstand an die Sache herangehen.
Hilfreich wäre dabei, zuallererst den Lieblingsterminus der Springer-Presse – „Horror-Droge“ – Beiseite zu lassen. Denn verursacht dieser der Hugo-süffelnden Hausfrau noch immer einen gehörigen Schrecken vor der kranken Welt des Rauschgiftsüchtigen, so ist der Boulevard-Begriff der Qualität eines Beitrages nun wirklich nicht zuträglich.

Ferner unpraktisch ist es, für einen Bericht über eine Droge, wie auch immer sie geartet sei, ausschließlich im Freistaat Bayern zu recherchieren, es sei denn man ist an einer Cross-Recherche zu den Themen Repression und Polizeigewalt interessiert.
So wirft die recht dilettantische Herangehensweise der Produktion einige Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit auf, und irgendwann beginnt man sich zwangsläufig zu fragen, warum man eigentlich von einem lieber anonym bleibenden Heroinsüchtigen aus dem Halbschatten über die Gefahren der Badesalze aufgeklärt wird, der laut Aussage des Kommentators „seit 30 Jahren an der Nadel hängt“, zeitgleich aber behauptet, seine eigene Sucht unter Kontrolle zu haben. Puh. Harte Kost.

Erquickend unerfahren wirkt dagegen die grünschnäblige Sozialarbeiterin, als sie vor lauter Aufregung mit dieser rhetorischen Perle glänzt: „Dieses Zeug ist potenter als äh… Cannabis, als Heroin, oder äh… jegliche andere Drogen, die… bisher einfach illegal sind“.
Brillant!

Mein limbisches System füttert mein Hirn mit Schamgefühl, bis es überläuft. Ich schäme mich für die verwirrte Frau im Fernsehen, ich schäme mich für die Nulpen von BRISANT, die deren offensichtliche Neigung zur geistigen Umnachtung so radikal propagieren und letztendlich schäme ich mich für mich selbst, der ich in meinem Bett liege und mich lieber schäme, als mir im Speisesaal den Wanst mit vollzuschlagen. Zeit zu gehen.