The Dick Pic Program

Edward Snowden hat bereits einige Interviews gegeben. Interviews, auf die die Welt oft mit brennendem Interesse schaute. Wie zum Beispiel das groß angekündigte Snowden exklusiv der ARD, welches als das erste geführte Interview seit dessen Flucht aus Hong Kong gepriesen wurde. Herum kam hier, wie bei den meisten, nichts, was wir nicht schon wussten oder uns aus den Stück für Stück geleakten Informationen selbst zusammenreimen konnten. Es wurden keine brisanten Fragen gestellt, die nötig gewesen wären für den investigativen Journalismus. Doch was ist eigentlich investigativer Journalismus?
John Oliver, Host der HBO Late-Night-Show „Last Week Tonight“, könnte nun ein eigenes Essay darüber schreiben, in dem die Worte dreist, Witz und albern vorkommen, und man müsste ihm recht geben. Denn er hat geschafft, was vor ihm so schwer schien. Was dabei herumkam, ist ein abstruses wie aufschlussreiches Interview mit einem der großen Helden unserer Zeit, dessen Fokus ein Echo hinterlässt und uns neue Richtungen vorgibt in der Frage, wie mit dieser Masse an Wahrheiten umzugehen ist. Und was die Schwierigkeiten dabei sind.
Dabei ist Oliver gar kein Journalist. Streng genommen ist er sogar lediglich ein Komiker, dient mehr zur Unterhaltung der Leute als ihnen zur Aufklärung. Dass jedoch jeder mit einer gewissen Reichweite aufklären kann, und dass das bisweilen einen größeren Effekt hat, wenn man nicht zur Presse gehört, hat der Showman eindrucksvoll bewiesen.

Zu jedem Stück investigativer Aufklärungsarbeit gehört zu allererst ein Problem. Schaut man sich den Snowden-Fall an, fallen einem schlagartig mehrere Probleme ein. Die USA und die 5-Eyes überwachen alles und jeden und keine Regierung tut etwas dagegen. Die Leute fühlen sich machtlos und nehmen es hin, oder verstehen es nicht und schotten sich ab. Oder sie denken wie ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung und sehen in Edward Snowden einen Staatsfeind und Landesverräter, den es zu ächten gilt. Alle diese Probleme wurden bereits zahlreich angeführt, besprochen und ignoriert. Klar, die ganze Welt weiß von Snowden und der Überwachung und sie wollen langsam nichts mehr davon hören. Weswegen John Oliver seine Show auch mit folgenden Worten einleitete: „Our main topic tonight ist gouvernment surveillance and I realize most people would rather have a conversation about literally any other topic.“
Denn er weiß um die sensibele Aufmerksamkeitsspanne der Menschen bei diesem Thema, wie jene um die Allgegenwärtigkeit der Überwachungsmaschinerie. Die Medien sind ja voll davon. Das Informationsbedürfnis gesättigt. Man weiß, worum es geht.
Aber wissen wirklich alle davon? Diese Frage stellte sich Oliver und liefert die Antwort gleich mit. In Form einer erschreckenden Umfrage am Time Square, in der keiner der (hier gezeigten) Befragten eine befriedigende Antwort auf die Frage liefern konnte, wer Edward Snowden sei. „Just for the record: That wasn’t cherry-picking“, erklärt Oliver ein wenig fassungslos. „That was entirely reflective of everyone we spoke to“.
So viel zum Thema das Informationsbedürfnis der Leute sei gesättigt.

Doch wie setzt man neue Maßstäbe in einer Diskussion, die so wichtig, so essenziell und verworren ist, dass es unmöglich scheint, sie vollends zu verstehen? Wie verpackt man weltbewegende Themen so, dass einem die Menschen zuhören? Wie macht man die Masse betroffen?
Die Antworten darauf gibt ein Interview, das es verdient, viral zu gehen:

Last Week Tonight with John Oliver: Gouvernment Surveillance (HBO)

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