Quo Vadis?

Am Dienstag, dem 24. März 2015, stürzte ein Airbus der Firma Germanwings ins Idyll der französischen Provence. Es starben 150 Menschen. 
Eine Tragödie, die zu begreifen noch nicht ansatzweise möglich war, als sich die ersten Schuldzuweisungen im Sand verliefen und nur noch Fassungslosigkeit übrig blieb.

Eine Tragödie auch, deren Aufklärung nun Einblicke in ein Ausmaß ihrer selbst erahnen lässt, das auf einen der größten Fälle menschlichen Versagens der neueren Zeit hinweisen könnte.
Und den möglichen Verantwortlichem zu einem Massenmörder der anderen Art machen würde.

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Auch am Tag zwei des Absturzes reißen die Meldungen nicht ab. Der Live-Ticker fließt zäh wie Sirup, doch genauso beständig, tropfenweise erreichen uns Meldungen über Sicherheitsstandards bei Flugzeugen, Sonderflüge für die Angehörigen und Schweigeminuten im Bundestag.
Es ist das typische Auf-dem-Laufenden-halten der Ereignisse, keine bahnbrechenden News, die in den morgendlichen Stunden durch das Netz getwittert werden.
Keiner will sich an voreilige Spekulationen heranwagen bei diesem fragilen Thema.

Gegen 12 Uhr mittags passiert etwas. Einer der Piloten hatte das Cockpit kurz vor dem Sinkflug verlassen, ließ der Staatsanwalt verlauten. Und kam bis zum Aufprall nicht wieder herein.
Dann geht alles ganz schnell, die Meldungen überschlagen sich. Der Co-Pilot saß alleine am Steuer. Die Tonaufnahmen der Blackbox zeigen, dass in den Minuten vor dem Aufprall manisch gegen die Cockpit-Tür gehämmert wurde. Techniker lassen verlauten, man hätte den Zugang zum Cockpit schon gezielt verhindern müssen, auch der Sinkflug-Knopf ließe sich nicht aus Versehen betätigen, ausgeschlossen. So ist die Faktenlage, heißt es. Keine Schlussfolgerungen.

Man konnte in diesen hektischen Minuten fühlen, was keiner in den Mund nehmen wollte.
Um 12:49 Uhr wagte die Tagesschau den Vorstoß. „Vorsetzlicher Absturz wahrscheinlich“, hieß es zaghaft. Drei Wörter, die den Tag verändern. Und der Katastrophe einen Namen geben.

Andreas Lubitz war 28 Jahre alt. Aufgewachsen im Rheinland begann er als Segelflugschüler, bevor er seine Leidenschaft zum Beruf machte. Airbus A320 Fan, bei der Lufthansa seit 2013, 630 Flugstunden, das sind die Zahlen. Das Warum erklären sie nicht.
Der Flugschreiber zeigt, in den letzten Minuten vor dem Aufprall hätte man nichts mehr gehört von Lubitz, außer beständiges Atmen. Keine Regung, keine Emotion.
Noch wagt es keiner, von Selbstmord zu reden. Starr vor Schreck und ob der Welle, die sich bräche, setzte man hiermit den Schlussstrich. Aufgestoßen wären die Türen, zu ergründen, zu erbrechen, zu erfragen, was es war, was ihn ergriff. Wo es herkam, welche Fehler.
Ergötzen am Abgrund der Menschlichkeit würden sich die Boulevard-Medien. Was treibt den Mensch, würde die Süddeutsche titeln.

Noch ist es nicht soweit. Der Schock sitzt tief, und es braucht, bis er sich löst, Zeit und Erkenntnisse. Wohin es führt, wissen wir noch nicht, doch wir werden es erfahren.
Was uns der Tag vermittelt? Der Geist des Menschen ist unergründlich.

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